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Professionelle Hilfe bei Krisen in jungen Jahren

Jedes fünfte Kind hat psychische Auffälligkeiten - gute Diagnostik und vor allem schnelle Hilfe sorgen dafür, dass Probleme nicht bis ins Erwachsenenalter "mitgeschleppt" werden müssen

Auch in der Kinder- und Jugendpsychiatrie gibt es Wartezeiten. Das Bezirksklinikum in Ansbach behandelt ambulant, teil- und vollstationär und konnte gerade sein Angebot ausbauen, um solche Wartezeiten zu verkürzen. Trotz mancher Vorurteile: Die Kinder- und Jugendpsychiatrie ist sehr wichtig, denn werden Störungen nicht rechtzeitig behandelt, haben sie langfristige Folgen für die jungen Patienten.

Rund jedes fünfte Kind hat Auffälligkeiten. In einer durchschnittlichen Grundschulklasse wären das vier Kinder. Werden diese Kinder untersucht, benötigen die Hälfte von ihnen professionelle Hilfe. Diese Zahlen sind überall gleich, egal ob in der Stadt oder auf dem Land. Allerdings ist in ländlichen Regionen der Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie bei der Bevölkerung nicht so bekannt. Viele Eltern kommen über den „klassischen“ Kinderarzt, bei Schulproblemen werden sie auch von Lehrern geschickt.

„Wenn es Probleme gibt, ist es wirklich wichtig, diese früh abklären zu lassen“, sagt Kathrin Herrmann, Chefärztin der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Bezirksklinikum in Ansbach. „Nur so kann man eine längere und vor allem auch unnötige Leidensgeschichte der jungen Patienten vermeiden. Unbehandelt ziehen sich diese Probleme oft über Jahre bis ins Erwachsenenalter durch und Jugendliche können so ihre Fähigkeiten nicht ausschöpfen.

Je nach Alter der Kinder gibt es unterschiedliche Auffälligkeiten. Schreien beispielsweise Säuglinge auffallend oft, können dahinter Schlafstörungen oder Probleme beim Essen stecken. Die Eltern sind dann verunsichert und machen sich selbst Vorwürfe. „Oft können wir schon durch kleine Veränderungen helfen“, so Herrmann. Eltern werden dann angeleitet, die Signale ihrer Kinder besser zu verstehen.“

ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung) wird oft in der Schule sichtbar, tritt aber meistens schon vor dem sechsten Lebensjahr auf. Das ist nicht nur der „Zappelphilipp“, wie es manchmal in der Bevölkerung genannt wird. Darunter fallen Konzentrationsstörungen genauso, wie eine starke Impulsivität und wenn Kinder die allgemeinen Umgangsformen oder Grenzen einfach nicht einhalten können. „Wir beraten dann die Eltern und geben Hilfen für zuhause“, erklärt die Fachärztin. „Manchmal hilft ein computergestütztes Konzentrationstraining oder die Teilnahme in einer sozialen Kompetenzgruppe. Je nach Schwere der Störung können auch Medikamente zum Einsatz kommen.“

Kaum zu glauben, aber Depressionen treten auch bei Kindern auf – immer häufiger und früher. Ein Grund ist, dass der gesellschaftliche Druck sowohl auf die Familien als auch auf die Kinder zugenommen hat. Aber auch Mobbing spielt eine Rolle. „Bei Kindern zeigen sich Depressionen allerdings ganz anders, als bei Erwachsenen. Kinder sind dauergereizt oder gehen schnell an die Decke“, sagt Herrmann. „Es gibt aber auch Kinder, die ziehen sich stark zurück und haben keine Hobbies. Sie sind unkreativ und haben wenig Freude beim Spielen.“ Depressionen können schon sehr früh beginnen und hier ist es wichtig, dass sie von einem Facharzt behandelt werden, damit das Kind aus der Depression herauskommt. Parallel zur Depression treten manchmal auch Essstörungen auf, meist bei Mädchen ab dem 14. Lebensjahr. Hier kann auch ein fehlendes Selbstvertrauen eine Rolle spielen.

„Zu Beginn steht immer eine gründliche Diagnostik, auch mit einer körperlichen Untersuchung. Nur so können wir die passende Therapie erarbeiten, die bei jedem Kind ein bisschen anders sein kann“, so Kathrin Herrmann. Ansbach bietet beispielsweise Therapien ambulant, teilstationär oder stationär an, je nachdem wie hoch der Leidensdruck ist oder wie weit das Kind oder der Jugendliche im Alltag zurechtkommt. Ein Team aus Ärzten und den unterschiedlichsten Therapeuten kümmert sich dann um die jungen Patienten. Auch das Umfeld wird mit einbezogen, um eine ganzheitliche Therapie zu ermöglichen. Es gibt Einzel- und Gruppentherapie, zum Beispiel mit Gesprächen, Spiel, Sport, Kunst oder Musik, ergänzt durch die Schule für Kranke.

„Wichtig ist, dass Kinder und Eltern wissen, es gibt eine Anlaufstelle, die mir bei psychischen Problemen hilft“, appelliert die Fachärztin. „Es wäre fatal, wenn das Potenzial von Kindern und Jugendlichen auf der Strecke bleib, weil sie nicht therapiert werden.“

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