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Jahresrückblick 2020: Arbeitsmarktentwicklung im Kreis Ansbach besser als erwartet

Kurzarbeit verhinderte Entlassungen

Kreis Ansbach, 05.01.2021 – In den letzten Jahren konnte Claudia Wolfinger, die Vorsitzende der Geschäftsführung in der Agentur für Arbeit Ansbach-Weißenburg, fast nur Positives über die Arbeitsmarktentwicklung berichten.

Denn seit 2016 ist die Arbeitslosigkeit in der Region Jahr für Jahr zurückgegangen. Das hat sich 2020 geändert: Die 7.856 Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt übertreffen das Vorjahresniveau um ein Viertel. Entsprechend erhöhte sich auch die Arbeitslosenquote von 2,4 Prozent im Vorjahr auf durchschnittlich 3,0 Prozent im Jahr 2020.

  • Durchschnittliche Arbeitslosenzahl 2020: 7.856
  • Durchschnittliche Arbeitslosenzahl im Vorjahr: 6.282
  • Durchschnittliche Arbeitslosenquote 2020: 3,0 %
  • Durchschnittliche Arbeitslosenquote im Vorjahr: 2,4 %

Kurzarbeit verhindert Entlassungen

„Es hätte schlimmer kommen können“, kommentiert die Agenturchefin diese Zahlen. So sei die Arbeitslosigkeit weniger stark gestiegen als im Frühjahr befürchtet. „Ohne Kurzarbeit wäre das nicht möglich gewesen“, so Wolfinger weiter. „Dadurch konnten Arbeitgeber Entlassungen verhindern und bei einer Besserung der Lage mit ihrem bewährten Personal schnell wieder durchstarten“.

Was 2020 vielfach gut funktioniert hat. Zwar haben die Betriebe in Ansbach-Weißenburg Kurzarbeit in Rekordhöhe angezeigt – Höchststand war im April mit 3.433 Anzeigen für 53.122 Arbeitnehmer –, doch es musste nur ein Teil tatsächlich realisiert werden. Einige Unternehmen konnten schneller als gedacht wieder zur Vollbeschäftigung übergehen, andere mussten allerdings beim zweiten Lockdown erneut Kurzarbeit beantragen. Da sie für die Abrechnung drei Monate Zeit haben, lässt sich die tatsächliche Inanspruchnahme der Kurzarbeit für 2020 noch nicht beziffern. Bisheriger Höchststand war auch hier der Abrechnungsmonat April mit 31.733 Kurzarbeitern in 3.256 Betrieben.

Jahresbilanz auch ohne Corona nicht ungetrübt

Damit wurde die Krise relativ gut bewältigt – zumindest bis zum zweiten Lockdown im November. Claudia Wolfinger ist jedoch in Sorge, dass jetzt einige Betriebe trotz staatlicher Unterstützung nicht mehr lange durchhalten. Zumal der Arbeitsmarkt 2020 auch unabhängig von Corona Einiges zu verkraften hatte. Wolfinger erinnert an die Betriebsschließungen der Kennametal Widia produktions GmbH & Co KG in Lichtenau, der NBHX Trim GmbH in Heilsbronn und des Logistikstandorts von Aldi Süd in Roth. Hinzu kamen die Insolvenzen der Hotel Eisenhut & Co KG in Rothenburg sowie der Ing. Horst Kegler GmbH in Hilpoltstein. Zuletzt sorgte die Auflösung der Pressmetall Gunzenhausen GmbH zum 31. März 2021 mit bereits 130 Freistellungen im Dezember für negative Schlagzeilen. „Allein durch diese Maßnahmen haben wir zusammen rund 1.000 Arbeitsplätze verloren – und das sind nur die größeren Firmen“.

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung leicht rückläufig

Die neueste Beschäftigtenstatistik vom 30. Juni 2020 zeigt ebenfalls eine erste Eintrübung. Mit 162.218 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten wurde das Vorjahresergebnis erstmals seit Bestehen des Agenturbezirks Ansbach-Weißenburg unter-schritten. Der Verlust von 1.746 Arbeitsplätzen (-1,1 Prozent) zur Jahresmitte war bisher gering, allerdings ist in nächster Zeit wegen der allgemeinen Unsicherheit vieler Firmen und der hohen Zahl an Kurzarbeitern nicht mit einer Trendumkehr – sprich mit einem nennenswerten Beschäftigungszuwachs – zu rechnen.

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Branchen mit Personalbedarf

Erfreulicherweise gibt es auf der anderen Seite aber auch Branchen, die Personal einstellen. In Ansbach-Weißenburg sind das vor allem das Handwerk, das Gesundheits- und Sozialwesen, der öffentliche Dienst sowie der Bereich Erziehung und Unterricht. Auch im Lager und in der Logistik gibt es weiterhin gute Chancen. „Nicht jeder, der in der Industrie seinen Arbeitsplatz verliert, kann nahtlos in einen anderen Bereich wechseln“, stellt Claudia Wolfinger realistisch fest. „Aber oftmals kann eine Neuorientierung durchaus gelingen.“ Die Agentur für Arbeit unterstützt Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dabei nicht nur finanziell. 2020 wurde mit der „Berufsberatung im Erwerbsleben“ eine neue Dienstleistung speziell für Erwachsene etabliert, die sich beruflich verändern und qualifizieren wollen oder müssen.

2.444 Stellenangebote weniger

Im Jahr 2020 meldeten die Arbeitgeber dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcentern insgesamt 10.997 freie Stellen. Das sind 2.444 oder 18,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Knapp ein Viertel aller Angebote kam von Zeitarbeitsfirmen. Es folgten das verarbeitende Gewerbe (15 Prozent aller Stellenzugänge), das Gesundheits- und Sozialwesen (13 Prozent), der Handel (zehn Prozent) und das Baugewerbe (sieben Prozent).

Im Vergleich zum Vorjahr waren die gemeldeten Stellen in allen Branchen rückläufig, mit einer Ausnahme: Der öffentliche Dienst suchte 2020 mehr Personal, zum Beispiel in den Gesundheitsämtern oder auch in der Agentur für Arbeit zur Bearbeitung von Kurzarbeiter- oder Arbeitslosengeld.

Im Jahresdurchschnitt standen im Berichtsjahr 4.510 freie Stellen zur Verfügung; 2019 waren durchschnittlich 5.027 im Bestand. Unverändert hoch blieb die Nachfrage nach Fachkräften. Wie schon im Vorjahr waren mehr als drei Viertel aller Angebote für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Berufs- oder akademischer Ausbildung reserviert.


Quelle: Agentur für Arbeit Ansbach-Weißenburg,

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