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Denkmalprämierung des Bezirk Mittelfranken

Ein Objekt in der Stadt Ansbach und drei Bauwerke im Landkreis Ansbach ausgezeichnet

Ansbach/Triesdor, 20. März 2023 – Seit 1975 prämiert der Bezirk Mittelfranken besonders gelungene und vorbildlich durchgeführte denkmalpflegerische Leistungen. Die Auszeichnung der Bauwerke ist eine ideelle Ehrung, bei der die Preisträgerinnen und Preisträger eine Urkunde erhalten.

Außerdem erscheint ein Begleitband, in dem die Objekte und Kleindenkmäler eines Jahrgangs in Wort und Bild vorgestellt werden. Die Ehrung erfolgte am Freitag, 10. März im „Alten Reithaus“ der Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf. Für die Stadt Ansbach wurde ein Objekt ausgezeichnet. Im Landkreis Ansbach erlangten drei Objekte die Auszeichnung.

Stadt Ansbach

Ansbach, Urlasstraße 47

Foto: Franziska Lehmann (Bezirk Mittelfranken)

Im Norden Ansbachs verbirgt sich ein Juwel des städtischen Villenbaus. Ein Jahr vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs errichtet, spiegelt die Villa die Übergangsphase vom Jugendstil zur Neuen Sachlichkeit wider. Der zweigeschossige, verputzte Massivbau mit Pyramidendach und Schleppgauben ist in seinem Dekor zurückhaltend. Er besticht mit seiner gelb-ockerfarbenen Fassade mit sichtigem Sandsteinsockel und den sattgrünen Fensterläden als Kontrast. Bauherr und Planfertiger zugleich war ein ehemaliger Oberregierungsrat, der das repräsentative Villenanwesen für sich und seine Familie erbaute. Bis heute ist sie in Familienbesitz! Ungewöhnlicherweise war das Gebäude bis vor kurzem nicht als Einzeldenkmal gelistet. Erst auf Betreiben der Eigentümer erhielt es den Status als Einzeldenkmal. Erfreulicherweise ist die Villa seit ihrer Erbauung von größeren Umbaumaßnahmen und Renovierungen verschont geblieben. Neben dem historischen Grundriss hat sich eine beachtliche Fülle an bauzeitlichen Ausstattungsstücken erhalten. Wegen einer fast durchgängigen Nutzung waren lediglich Abnutzungsspuren im Innenraum und Verwitterungsspuren an der Fassade sichtbar. Im Zuge einer vollumfänglichen Restaurierung erhielt das repräsentative Anwesen seinen ursprünglichen Glanz zurück. Dabei hat man die Dachkonstruktion ertüchtigt und neu eingedeckt. Die Fassade mit ihrem bauzeitlichen Putzauftrag, Sandsteinsockel, Holzsprossen-Kastenfenster sowie Fensterläden und den Blumenkastenhalterungen wurde bestandsschonend und unter angemessener Materialwahl sorgsam restauriert. Im Inneren wurden sämtliche historischen Parkettböden und Innentüren ebenso sorgfältig aufbereitet. Die hölzerne Haupttreppe durfte als Zeugnis der Vergangenheit ihre Spuren behalten. Gedämmt wurde mit Wärmedämmputz an den Innenseiten der Außenwände. Anschließend erhielten die Wandoberflächen eine schlichte Fassung mit weißem Kalkputz. Im Keller hat man zusätzliche T-Träger zur Stabilisierung sowie eine Feuchtigkeitssperre eingebracht. Haustechnik und Sanitäranlagen konnten modernisiert werden, ohne den Charme der Villa zu beeinträchtigen. Dank der Liebe zum Denkmal und dem Engagement der Eigentümer in der Koordination der Maßnahmen konnte die vorbildlich durchgeführte Instandsetzung einer über 100jährigen Stadtvilla erfolgen – eine Bereicherung für die Baulandschaft Ansbachs!

Landkreis Ansbach

Ornbau, Altstadt 7

Foto: Franziska Lehmann (Bezirk Mittelfranken)

In der kleinsten Stadt Mittelfrankens schlummerte ein stattlicher zweigeschossiger Barockbau mit Walmdach und Geschossgliederungen im Dornröschenschlaf. Nach seinem Erwerb durch die Gemeinde und einer langjährigen und aufwendigen Generalsanierung kehrte wieder Leben in den Bau zurück. Heute beherbergt er das Rathaus mit Treffpunkt für Ornbau. Die Geschichte des Anwesens reicht bis in die Mitte des 17.Jahrhunderts zurück.  Sein heutiges Erscheinungsbild erhielt es wohl durch den fürstbischöflichen Hofkammerrat zu Würzburg, Johann Philipp Riedl, der das Gebäude 1732 erwarb. Genauere Informationen liegen jedoch nicht vor.  Im Laufe der Zeit diente es u. a. als landwirtschaftlicher Betrieb, Braustätte oder Wohnhaus. Zuletzt befand es sich in Privatbesitz. Dennoch ist ein beträchtliches Ausmaß an historischem Bestand erhalten. Die Instandsetzung erfolgte in enger Abstimmung mit den Behörden und schloss auch umfassende Voruntersuchungen mit ein. Im Zuge dessen ertüchtigte man den instabil gewordenen bauhistorischen Dachstuhl und erneuerte den Dachaufbau. Die mit Sandsteinelementen gegliederte Fassade und ihren geohrten steinernen Fenster- und Türrahmungen wurde behutsam restauriert und nach Befund gefasst. Erfreulich ist, dass sich sieben originale Kreuzstockfenster erhalten haben. Sie dienten als Vorbild für die detailgetreue Neuanfertigung fehlender Fenster. Ein in den 1960er Jahren eingebrachter Ladeneinbau im Erdgeschoss wurde rückgebaut, sodass das repräsentative Foyer wieder zur Geltung kommt. Sämtliche historischen Ausstattungsstücke wie Treppen, Türen, Stuckdecken und -kehlungen hat man sorgfältig freigelegt, aufgearbeitet und in einer befundeten Farbgebung neugefasst. Lediglich sehr stark geschädigte Holzböden sowie der nicht mehr vorhandene Steinboden im Foyer mussten ersetzt werden. Die Wandoberflächen wurden bis auf den Originalputz freigelegt und gesichert. Mit der Neufassung entstand ein geschlossener Raumeindruck. Notwendige Zusätze wie Leuchten, Elektrik, Brandschutztüren erfolgten in zurückhaltender Weise. Die denkmalpflegerisch anspruchsvolle Maßnahme ließ den Barockbau wieder in seinem ursprünglichen Glanz erstrahlen. Für die Altstadt Ornbaus stellt er eine große Bereicherung mit Vorbildcharakter dar.

Rothenburg o. d. T., Burggarten, Alte Burg, Fl. Nr. 1146/0

Foto: Franziska Lehmann (Bezirk Mittelfranken)

Mit ihrer fast vier Kilometer langen, geschlossenen Stadtmauer besitzt Rothenburg ein besonderes Zeugnis spätmittelalterlicher Baukunst. Ihre heute charakteristische Form erhielt sie im Zuge der Stadterweiterung im 14. Jahrhundert. Direkt an der Blasiuskapelle führt ein Tor als südlicher Zugang zum Burggarten. Hier liegt der älteste Teil der Stadt. Der Stauferkönig Konrad III. (1138–52) errichtete auf diesem Bergsporn eine Reichsburg, die 1356 durch ein Erdbeben stark beschädigt wurde. Übrig blieben nur die Ummauerung und die Blasiuskapelle. Das Tor hingegen stammt aus jüngerer Zeit und ist inschriftlich auf 1703 datiert. Errichtet wurden der Rundbogen und seine angrenzenden talseitigen und bergseitigen Mauerverläufe aus Kalkstein. Im Sommer 2021 mussten umfassende Instandsetzungsmaßnahmen vorgenommen werden, denn der innenliegende flache Segmentbogen aus zugerichteten Kalkstein-Bruchsteinen und das talseitige Mauerwerk befanden sich in einem statisch sehr gefährdeten Zustand.  Außerdem waren Fugenmörtel und einzelne Steine aus dem Verbund herausgelöst und das Mauerwerk von Bewuchs überzogen. Nachdem die Stadtmauer und der Torbogen sorgsam gereinigt worden waren, wurden die instabilen Bereiche statisch ertüchtigt. Die talseitige Innenschale der Stadtmauer hat man materialgerecht wieder aufgemauert. Im innenliegenden Segmentboden konnten die Rissbildungen und Verschiebungen unter Erhalt des historischen Steinmaterials geschlossen werden. Um die Standsicherheit zu erhöhen, wurden zudem Zuganker eingebracht, die die Verbindung zur Stadtmauer wiederherstellen. Zusätzlich hat man sämtliche Fugen mit passendem Material neu geschlossen. Die Stadt Rothenburg führte die Maßnahmen in substanzschonender Weise und unter größtmöglichem Erhalt des historischen Bestandes durch. Ihr ist es zu verdanken, dass die denkmalgeschützte Stadtbefestigung in ihrer Gänze für die Zukunft erhalten bleibt.

Rothenburg o. d. T., Topplerweg 16

Foto: Franziska Lehmann (Bezirk Mittelfranken)

Für Rothenburg ungewöhnlich ist der zweigeschossige, traufseitige Sichtziegelsteinbau mit Satteldach im Topplerweg 16. Das durch einen Mittelrisalit, Ecklisenen und Gesimsen aus Sandstein gegliederte Gebäude ist um 1900 errichtet worden. Im ersten Moment erinnert es jedoch an norddeutsche Backsteinarchitektur des 19. Jahrhunderts und weniger an die von Sandstein und Fachwerk geprägte Baulandschaft Mittelfrankens. Dass das Gebäude heute wieder in seinem alten Glanz erstrahlt, ist in erster Linie dem Engagement der Eigentümerin zu verdanken, die sich über Jahrzehnte hinweg um den Erhalt ihres Anwesens bemüht. So wurden bereits die Fenster und der reversible Holzbalkon an der Rückseite erneuert sowie die Gartenmauer mit ihrem originalen Eisenzaun sorgsam ertüchtigt. Im Zentrum der aktuellen Maßnahme stand die zweifarbige Sichtziegelsteinfassade. An ihr waren Spuren der Zeit deutlich abzulesen. Der originale Fugenmörtel löste sich auf. Risse durchzogen die Fassade, die womöglich durch Setzungen im Untergrund oder durch Nachwirkungen eines Bombentreffers im Zweiten Weltkrieg im benachbarten Grundstück entstanden sind. Hinzu kam eine starke, durch Niederschlagswasser bedingte Verwitterung an den Schilfsandstein-Elementen. Besonders gefährdet war zudem der Giebel der Südwestfassade, der sich bedrohlich weit nach außen neigte. Daher startete eine umfangreiche Instandsetzung der Backsteinfassade mit einer sorgsamen Reinigung und Konservierung. Dabei mussten die Fugen komplett erneuert werden. Spätere Ausbesserungen wurden entfernt und kleinere Abplatzungen an den einzelnen Ziegelsteinen belassen. Die entstandenen Risse hat man fachgerecht und unter passendem Material geschlossen. Bei der Restaurierung der Gesimse, Fenster- und Türrahmungen sowie der Fenstersohlbänke versuchte man größtmöglich den bauzeitlichen Schilfsandstein zu erhalten. Lediglich zu stark geschädigte Elemente wurden nach Originalvorbild in Gnodstädter Sandstein nachgebildet. Der instabile Südwestgiebel konnte statisch gesichert werden, indem man ihn samt Fenster und mit alten Steinen wiederaufgebaut hat. Ergebnis dieser sehr gelungene substanzschonende Restaurierung mit einem guten Blick für Details ist eine besondere Sichtziegelfassade, die ein genaueres Hinsehen durchaus verdient.

Text: Franziska Lehmann (Bezirk Mittelfranken)

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