Startschuss für den Hochwasserschutz Ansbach durch Herrn Staatsminister Thorsten Glauber – Ergänzende Informationen zum Hochwasserschutz

Ansbach, 27. November 2025 – Am 26. November 2025 erfolgt der Spatenstich zum Hochwasserschutz Ansbach durch den Bayerischen Staatsminister Thorsten Glauber. Zahlreiche Hochwasserereignisse der Fränkischen Rezat führten in der Vergangenheit zu Überflutungen im Stadtgebiet von Ansbach.

Die letzten größeren Überflutungen in den Jahren 2016 und 2021 haben die Feuerwehr und alle beteiligten Einsatzkräfte massiv gefordert. Von Hochwasser betroffen sind tiefliegende Bereiche der Altstadt und der oberen Vorstadt bis etwa zum Kasernendamm.

Für den Hochwasserschutz werden zwischen der Voggenmühle und der Residenz Hochwasserschutzwände mit einer Gesamtlänge von ca. 1.015 m errichtet. Nach Fertigstellung des Hochwasserschutzes wird eine Fläche von ca. 9 ha mit etwa 200 Gebäuden und rund 1.100 Einwohner vor Hochwasser geschützt. Die Bemessung der Hochwasserschutzanlagen erfolgt auf das hundertjährliche Hochwasserereignis, wobei zusätzlich ein Klimazuschlag in Höhe von 15% berücksichtigt wird. Die Hochwasserschutzanlagen schützen später die Ansbacher Altstadt vor einem Hochwasserabfluss der Fränkischen Rezat von bis zu rund 95 m³/s.

Auf Grund der Größe der Hochwasserschutzmaßnahme wird die bauliche Umsetzung in zwei Bauabschnitte BA01 und BA02 unterteilt:

BA01: Abschnitt zwischen der Voggenmühle und dem Kasernendamm

BA02: Abschnitt zwischen Kasernendamm und der Residenz

Bereits am 21. Oktober 2025 wurde mit der Umsetzung des Bauabschnitts BA01 begonnen, wobei hier eine Fertigstellung Ende des Jahres 2026 vorgesehen ist. Der zweite Bauabschnitt BA02 soll zwischen Juli 2026 und Oktober 2028 realisiert werden. Ein vorgezogener Abschnitt BA00 am Garagenhof der Residenz wurde bereits Anfang 2023 errichtet. Hier musste ein etwa 35 m langer Mauerabschnitt vorgezogen werden, da die daran anschließende Hoffläche im Jahr 2023 erneuert wurde.

Zur sicheren Ableitung von Regenwasser werden auf einer Länge von ca. 1.180 m neue Drainageleitungen und Ableitungskanäle errichtet, und an die vier geplanten Schöpfwerke angeschlossen. Diese pumpen das hinter dem Hochwasserschutz anfallende Regenwasser über die Hochwasserschutztrasse in die Fränkische Rezat. Die Förderleistungen der vier Schöpfwerke variieren, je nach anfallender Wassermenge, zwischen 80 l/s und 1.500 l/s. Alle Schöpfwerke werden im Untergrund errichtet.

Um zu verhindern, dass das Grundwasser mit dem Hochwasser steigt, werden über weite Strecken entlang der Hochwasserschutzwand Kiesaustauschbohrungen erstellt. Sämtliche Pumpwerke und elektronische Verbraucher der Hochwasserschutzanlage werden zentral von einer „Energiezentrale“ im Gebäude des Dammbalkenlagers aus sternförmig mit Strom versorgt. Für den seltenen Fall eines Stromausfalls wird bei der Energiezentrale eine stationäre Netzersatzanlage vorgehalten. Das Notstromaggregat startet bei Stromausfall eigenständig und stellt somit, auch bei einem längeren „Blackout“, den sicheren Betrieb der Binnenentwässerung sicher.

Im Bereich bestehender Wege und Straßen werden in der Hochwasserschutzwand insgesamt 15 mobile Elemente vorgesehen, welche im Hochwasserfall geschlossen werden. Aufgrund einer relativ geringen Vorwarnzeit im Hochwasserfall von etwa 4 Stunden wurde in enger Abstimmung mit der Stadt Ansbach ein Konzept zum sicheren und raschen Verschließen der mobilen Elemente erstellt. Die Aufbewahrung der Dammbalken, mit welchen die Öffnungen in der Hochwasserschutztrasse geschlossen werden, erfolgt in einem neuen Lagergebäude, wobei die Dammbalkenprofile auf einem Anhänger vorgehalten werden. Bei nur schwer oder nicht anfahrbaren mobilen Elementen werden die Dammbalken vor Ort in Lagerboxen aufbewahrt.

Aufgrund der Lage innerhalb des denkmalgeschützten Altstadtensembles Ansbach wurde die Planung intensiv mit den zuständigen Denkmalschutzbehörden abgestimmt. Um den Anforderungen des Denkmalschutzes gerecht zu werden, erhält die Betonmauer bereichsweise einen Deckstein nach historischem Vorbild. Mithilfe von Schalungsmatrizen wird die Optik des Mauerwerks vorhandener Stützmauern nachempfunden, und die Mauerflächen werden sandgestrahlt. Das denkmalgeschützte „Barocktor“ wird in die Hochwasserschutztrasse integriert und dazu Stein für Stein ab- und wiederaufgebaut. Für den BA02 ist zudem eine archäologische Baubegleitung erforderlich.

Aufgrund des Bombardements am 22./23. Februar 1945 ist der gesamte Vorhabensbereich als potentiell kampfmittelbelastet einzustufen, da im Erdreich möglicherweise blindgegangene 500 Pfund Sprengbomben vorhanden sind. Sämtliche Grabungen, und vor allem Bohrungen, müssen daher im Hinblick auf Blindgänger kampfmittelsondiert werden.

Entlang der Hochwasserschutztrasse stehen zahlreiche Bäume. Bei der Planung wurde sehr großer Wert auf den Erhalt des Baumbestandes gelegt. Wo möglich wurde die Lage der Hochwasserschutzwand in Bezug auf den vorhandenen Baumbestand optimiert. Trotz großer Anstrengungen im Planungsprozess ist es jedoch unvermeidbar, für den Hochwasserschutz Bäume zu fällen. Nach derzeitigem Stand müssen für den Hochwasserschutz rund 40 Bäume weichen. Als Kompensation dafür sind im Bürgerpark und bei der Aumühle bereits 68 Baumersatzpflanzungen erfolgt. Als weiterer Ersatz werden zusätzliche 6 Bäume im Bereich des Bauabschnittes BA02 gepflanzt.

Im Zuge des Hochwasserschutzvorhabens wird im Bereich des BA00 ein vorhandener etwa 50 cm hoher Absturz in eine fischpassierbare Fischaufstiegsanlage umgebaut. Zur Herstellung der fischfaunistischen Durchgängigkeit wird der bestehende Absturz abgetragen und eine naturnahe, beckenartige Fischaufstiegsanlage errichtet.

Die Gesamtkosten des Hochwasserschutzvorhabens Ansbach belaufen sich auf schätzungsweise 13 Millionen Euro. Die Stadt Ansbach beteiligt sich an den Planungs- und Baukosten, und übernimmt dafür auch den Unterhalt sowie den Betrieb des Hochwasserschutzes. Der Bau des Hochwasserschutzes wird durch die Europäische Union aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) kofinanziert.

Für das EFRE-Programm „Investitionen in Beschäftigung und Wachstum“ Bayern 2021 – 2027 stehen EU-Mittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) in Höhe von insgesamt ca. 577 Mio. € zur Verfügung. Die übergeordnete Leitidee des EFRE-Programms „Investitionen in Beschäftigung und Wachstum“ Bayern 2021 – 2027 lautet: Nachhaltige Stärkung der regionalen Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit Bayerns. Die dem Freistaat hierfür zur Verfügung stehenden EFRE-Mittel tragen daher dazu bei, gleichwertige Lebensverhältnisse und Arbeitsbedingungen in ganz Bayern zu sichern. Mit der Bereitstellung von Mitteln für den Bau des Hochwasserschutzes Ansbach trägt der EFRE dabei insbesondere zum Hochwasserschutz von Siedlungsgebieten und Infrastruktur bei.

Allgemeine Informationen über die EFRE-Förderung in Bayern stehen unter www.efre-bayern.de zur Verfügung.

Quelle: Pressemitteilung, Wasserwirtschaftsamt Ansbach