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„Martins Himmelfahrt“

Kiewer Jugendchöre zu Gast beim Windsbacher Knabenchor - Abschiedsgeschenk schickt Chorleiter Martin Lehmann hoch hinaus

Die Jugendchöre Dzvinochok und Vognyk aus Kiew waren beim diesjährenigen Internatsfest zu Gast bei den Windsbacher Knaben. Für alle war es ein sehr bewegender Tag zwischen den Erzählungen aus der Ukraine und einem ausgelassenen Chorfest. Zum Abschluss des Festes bekam Chorleiter Martin Lehmann vom Elternbeirat sein Abschiedgeschenk: Ein Blick aus 17 Metern Höhe über das Chorgelände.

Am Freitag, 27. Mai 2022 um 18:00 treten die beiden Jugendchöre noch einmal in der Ansbacher St. Gumbertuskirche zu einer Friedensandacht auf. Der Eintritt ist frei – um Spenden wird gebeten.

Endlich wieder Internatsfest beim Windsbacher Knabenchor; Foto: Mathias Neigenfind

Ein Hauch von Internationalität weht am Himmelfahrtstag über das Gelände des Windsbacher Knabenchores, denn über 50 Jugendliche aus Kiew sind gekommen. Die beiden Chöre Dzvinochok und Vognyk gehören zu einem großen College, wo unter anderem Chormusik unterrichtet wird. Dort werden neben klassischer, geistlicher Chormusik aber auch Volkslieder und Popsongs gesungen. So sorgen die beiden Chöre für eine Premiere, denn zum ersten Mal erklingen Songs der schwedischen Gruppe ABBA über das Chorgelände. Der Titel „S.O.S.“ bringt zum Ausdruck, was die Jugendlichen wohl derzeit in ihrer Heimat erleben. Und nach dem Titel „Thank you for the music“ meint Internatsdirektor Bernd Töpfer „es gäbe weniger Kriege in der Welt, wenn die Menschen mehr singen würden.“ Schon in seiner Predigt am Morgen findet er deutliche Worte gegen den Krieg und segnet die ukrainischen Jugendlichen.

Die Kiewer Jugendchöre Dzvinochok und Vognyk singen beim Windsbacher Internatsfest 2022; Foto: Mathias Neigenfind

Der Leiter des Kiewer Jungenchores Ruben Tolmachov berichtet über die derzeitige Situation in der Ukraine. Er zeigt ein Musikvideo mit den beiden Chören, das im letzten Jahr in der Nähe von Kiew an einem See entstanden ist. Heute ist dort alles zerstört. Für die Chöre ist die derzeitige Situation sehr schwierig. Aus Angst haben einige Eltern ihre Kinder in die Westukraine und in andere Länder geschickt. „Meine Chormitglieder sind über ganz Europa verteilt“, erzählt Tolmachov. „Von Portgal bis nach Norwegen.“ So wird gemeinsam über „Zoom“ geprobt. Auffallend ist für alle Zuschauer, dass der Mädchenchor deutlich stärker besetzt ist. Das liegt daran, dass Männer über 16 Jahren die Ukraine nicht mehr verlassen dürfen, nur der Chorleiter hat für den kulturellen Auftrag eine Sondergenehmigung erhalten. Ruben Tolmachov ist besorgt über seine älteren Chormitglieder und seine Worte entsetzen die anwesenden Eltern: „Unsere älteren Chormitglieder warten auf ihre Einberufung, sind bereits in der Armee oder sogar schon an der Front.“

Haben gut Lachen bei der Scheckübergabe: Martin Lehmann, Helen Solovey, Ruben Tolmachov und Bernd Töpfer freuen sich über die Spendensumme von 25.000 Euro; Foto: Mathias Neigenfind

In den vergangenen Wochen hatten die Windsbacher in mehrerer Städten in der Region Friedensandachten auf Straßen und Plätzen gehalten. Dabei haben sie für die beiden Jugendchöre Spenden in Höhe von 14.000 Euro gesammelt. Bei einem kurzfristigen Kontert in Erlangen sind am Mittwochabend noch mehr als 9.000 Euro hinzu gekommen, so dass Bernd Töpfer beim Internatsfest an die beiden Kiewer Chöre einen Scheck über 25.000 Euro überreichen konnte. Die beiden Chorleiter Ruben Tolmachov und Helen Solovey dankten für die großzügige Spende. Das Geld werde für Waisenkinder in der Ukraine und für die noch unbekannten Herausforderungen der Chöre in der Zukunft verwendet.

Chorleiter Martin Lehmann (re.) in 17 Metern Höhe; Foto: Mathias Neigenfind

Der „Höhepunkt“ der Karriere
Für Chorleiter Martin Lehmann war es das letzte Internatsfest, denn nach den Sommerferien verlässt er den Chor und wechselt zum Dresdner Kreuzchor. Der Elternbeirat habe gehört, dass Lehmann eine Schwäche für besondere Verkehrsmittelhabe, etwa einen großen Traktor. Deshalb schenkte der Elternbeirat dem scheidenden Chorleiter einen „Fahrt in die Höhe“. Die Feuerwehr Neuendettelsau machte es möglich und so gab es zum Abschluss „Martins Himmelfahrt“ in 17 Meter Höhe. Von dort hatte Lehmann einen Blick über das gesamte Chorgelände.

 

 

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