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Jobauschreibung der anderen Art – Wer ist Feuer und Flamme für uns?

Schüler der Realschule Schillingsfürst suchen Schulleiter per YouTube-Video

Schillingsfürst, 07.11.2019 – Grundsätzlich wird es für private Schulen in Bayern, vor allem wenn sie im ländlichen Raum liegen, zunehmend schwieriger, ihre freien Stellen zu besetzen. Das hat drei gravierende Gründe: Es gibt zu wenige Lehrer, die Entlohnung ist geringer und auch unter Lehrern gilt offensichtlich der ländliche Raum als unattraktiv. Erschwerend kommt bei der Schulleitersuche hinzu, dass diese Funktion nicht mehr so gefragt sei.

Für mediales Interesse sorgt die Suche eines neuen Schulleiters für die katholische Realschule Schillingsfürst (Lk. Ansbach) per Video bei YouTube. Man sieht die Kinder durchs Schulhaus ziehen, mit handgeschriebenen Zetteln werben die Schüler dabei für ihre Edith-Stein-Realschule: „Unsere Schule ist idyllisch“. Ein Fußball rollt bis ins leere Rektorat. „Helfen Sie uns, unseren Ball am Rollen zu halten. Werden Sie unsere neue Schulleitung!“, fordern die Schüler auf ihren Zetteln auf.

Nach einer zunächst internen Ausschreibung im Bistum Bamberg hatte sich kein neuer Schulleiter gefunden, die nun offizielle Ausschreibung sollte mit dem Video unterstützt werden. Die Erzdiözese Bamberg ist Träger der reformpädagogischen Einrichtung mit rund 180 Schülern und 20 Lehrkräften.

Schulleiteraufgaben nicht beliebt

Doch nicht nur an privaten Schulen, sondern auch an staatlichen Schulen scheint das Interesse an einer Schulleiteraufgabe generell spürbar nachgelassen zu haben. Davon berichten Rektoren, Konrektoren und Lehrer verschiedener Schulen hinter vorgehaltener Hand. „Immer weniger Kollegen sind bereit für unbedeutend mehr Gehalt deutlich mehr Arbeit und Verantwortung zu übernehmen“, so die einhellige Meinung.

Unterstützt wird dieser These von einer Studie der Strategieberatung Boston Consulting Group, die im September dieses Jahres veröffentlicht wurde. Demnach wollen in Deutschland überhaupt nur sieben Prozent der Menschen eine Führungsaufgabe übernehmen. Für die Studie wurden 1 500 Führungskräfte und 3 500 Mitarbeiter in fünf Ländern befragt. Hauptgründe: Die Führungsarbeit wird heute als schwerer empfunden, Führungskräfte fühlen sich mehr gestresst und überarbeitet.

Für den Freistaat selbst scheint die Lage noch entspannt zu sein. „Insgesamt ist festzustellen, dass die Schulleiterstellen an den staatlichen Schulen in Bayern regulär besetzt sind oder im Falle einer Vakanz schnell nachbesetzt werden können“, sagt Daniel Otto, Sprecher des bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus. „Frei werdende Schulleiterstellen aufgrund von Ruhestandsversetzungen oder Wechseln in andere Funktionsstellen werden rechtzeitig ausgeschrieben, sodass eine kontinuierliche Besetzung der Schulleitung gewährleistet ist.“ Nach seinen Worten waren in der Vergangenheit jährlich etwa 10-15 Prozent der bayerischen, staatlichen Schulleiterposten an Gymnasien neu zu besetzen, bei den Realschulen seien es 8-12 Prozent. Derzeit sind alle Schulleiterposten an staatlichen bayerischen Gymnasien besetzt, bei den Realschulen sind ein Prozent unbesetzt. Zum Vergleich, von den 170 Schulen, die beispielsweise zum katholischen Schulwerk in Bayern gehören, sind 3,5 Prozent derzeit ohne Schulleiter

Rund 92 Prozent der über 113 000 staatlichen Lehrer (2018) in Bayern sind Beamte, bei den privaten Schulen ist die große Mehrheit angestellt. So sind beispielsweise nur zehn Prozent der Lehrer, die zum katholischen Schulwerk gehören verbeamtet und den staatlichen Beamten gleichgestellt. Zwar verdienen die angestellten Lehrer auf den ersten Blick annähernd dasselbe wie ein Beamter, doch dann kommt die sogenannte „Nettolücke“, denn im Gegensatz zu den Beamten haben die angestellten Lehrer deutlich mehr Abzüge. Hinzu kommen die Nachteile zwischen Pension und Rente. Zudem, so das Ergebnis einer Dissertation zum Einkommensunterschied zwischen angestellten und verbeamteten Lehrern aus dem Jahr 2018, lockt gerade die Arbeitsplatzgarantie auf Lebenszeit. „Momentan ist der Lehrermarkt in Bayern leergefegt, fast alle Lehrer werden vom Freistaat übernommen“, erklärt eine Vertrauenslehrerin, die nicht genannt werden möchte. „Obwohl die privaten Schulen einen guten Ruf genießen entscheiden sich nur Menschen, die sehr bewusst eine christliche Schule als Arbeitgeber bevorzugen oder vom Staat eine sehr wenig lukrative Stelle angeboten bekommen, für eine Privatschule ohne staatliche Anreize.“

Hier gehts zum Video der Schüler aus Schillingsfürst

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