Gemeinwohl-Ökonomie als kommunaler Innovationsmotor: RESPECT-Veranstaltung zeigt Wege für nachhaltige Stadtentwicklung auf

Herrieden/Postbauer-Heng, 6. November 2025 – Am 4. November 2025 diskutierten Experten im Rahmen der RESPECT-Reihe konkrete Umsetzungsschritte der Gemeinwohl-Ökonomie in bayerischen Kommunen. Im Fokus standen die Stadt Herrieden und die Gemeinwohl-Gemeinde Postbauer-Heng, die als Vorreiter zeigen, wie soziale Gerechtigkeit, ökologische Verantwortung und partizipative Prozesse systematisch verankert werden können.

Maximilian Kroemer, Koordinator für Klimaschutz und Nachhaltigkeit der Stadt Herrieden, präsentierte Ergebnisse seiner Masterarbeit, in der er ein Umsetzungskonzept für Herrieden entwickelte. „Art. 151 der bayerischen Verfassung, „Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl“, verpflichtet auch Kommunen – die Gemeinwohl-Ökonomie bietet hierfür ein strukturiertes Instrument“, betonte Kroemer. Herrieden verfüge mit seinem Klimaschutzkonzept, der Auszeichnung als Fairtrade-Stadt sowie bestehenden sozialen Projekten wie der Tafel bereits über eine solide Basis. „Kommunen profitieren nicht nur durch aufgezeigte Entwicklungspotenziale, sondern auch durch eine Vorbildfunktion, die den Organisationsentwicklungsprozess beschleunigt“, so Kroemer.

Gabriele Bayer, Dritte Bürgermeisterin des Marktes Postbauer-Heng, berichtete von den praktischen Erfahrungen ihrer Kommune, die als eine von bisher drei bayerischen „Gemeinwohl-Gemeinden“ gilt. Zwischen März 2020 und Oktober 2021 wurde mit einem Budget von 35.000 Euro eine Stadtentwicklungsmatrix erarbeitet, in der 200 Ziele auf 12 Prioritäten verdichtet wurden – etwa die progressive Energiewende (die Kläranlage deckt bereits 80 % des Eigenbedarfs, aktuell werden drei Bürgerwindräder geplant) oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf: In Postbauer-Heng teilen sich zwei Kämmerer eine Stelle. Weitere Meilensteine der sozial gerechten Kommune: Soziale Teilhabe durch Alltagsbegleiter*innen für Senior*innen und ein Tauschhaus für Gebrauchtwaren. „Entscheidend ist, die Bürger*innen von Anfang an mitzunehmen“, erklärte Bayer. „Ob bei der Jugendbeteiligung – etwa durch die Mitplanung einer Halfpipe – oder bei der transparenten Beschaffungsrichtlinie: Beteiligung schafft Akzeptanz und Innovationskraft.“

Sabine Stein-Hoberg vom RESPECT-Koordinationsteam unterstrich die Relevanz des Themas für die Kommunalpolitik: „Die Gemeinwohl-Ökonomie ist kein theoretisches Modell, sondern ein praktikabler Hebel, um Kommunen zukunftsfähig zu machen – ökologisch, sozial und demokratisch.“

Die Veranstaltung machte deutlich: Kommunen, die die Gemeinwohl-Bilanz einführen, stärken nicht nur ihre Resilienz, sondern setzen auch ein Signal für eine Wirtschaft, die dem Menschen und der Umwelt dient.

Quelle: Pressemitteilung, RESPECT-Koordinationsteam