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Die Neuendettelsauer Friedenseiche ist nicht mehr zu retten

148 Jahre alter Baum muss gefällt werden – Straßen werden gesperrt

In Neuendettelsau wird am morgigen Donnerstag die 148 Jahre alte „Friedenseiche“ gefällt. Der Baum, der das Ortsbild an der Einmündung der Altendettelsauer Straße in die WilhelmLöhe-Straße prägt, ist in so schlechtem Zustand, dass er Fußgänger und Autos gefährdet. Die Diakonie Neuendettelsau wird aber einen stattlichen neuen Baum als Ersatz pflanzen.

Die Wilhelm-Löhe-Straße und die Altendettelsauer Straße werden aus Sicherheitsgründen während der Fällarbeiten gesperrt. Die Baumsachverständige Eva Adelmann aus Kalchreuth hatte die Stieleiche Ende November im Auftrag des Diakonie-Gärtnermeisters Benjamin Weiß gründlich untersucht. Dabei stellte sie fest, dass es auf der Nordwestseite schon keine starken Äste mehr gibt. Die Krone ist deswegen einseitig. An einem bereits abgestorbenen Ast fand die Sachverständige einen Pilzfruchtkörper.

Foto: Diakonie Neuendettelsau/Thomas Schaller

Der Stamm hat auf der Nordseite teilweise keine Rinde mehr und fault. Auch die Wurzeln sind stark geschädigt. Um den Holzabbau genauer beurteilen zu können, wurde an mehreren Stellen gebohrt. Die Bohrungen bestätigten, dass der Zustand der Eiche sehr schlecht ist. Gerade bei Stürmen wäre die Standsicherheit eventuell gefährdet.

Da der Baum an einem zentralen Platz steht, sind die Anforderungen an die Verkehrssicherheit besonders hoch. Viele Schüler, Besucher der Laurentiuskirche und der Einrichtungen der Diakonie laufen auf den Wegen im Kronenbereich direkt am Stamm.

Auch ein Vertreter des Landratsamts als zuständiger Naturschutzbehörde hat den Baum besichtigt und den desolaten Zustand bestätigt. Die Naturschützer stimmten deshalb der Fällung zu, obwohl sie den Verlust des Baumes sehr bedauern. Es könnte sein, dass in Höhlen im Baum seltene Käfer, darunter der „Eremit“, leben. Deswegen wird die Eiche vorsichtig und abschnittweise so gefällt, dass die Höhlen nicht beschädigt und die Käfer mit ihrem Nachwuchs gerettet werden können. Nach der Fällung wird der Baum als Totholz in den Wald bei Neuendettelsau gelegt.

Als Symbol für die Völkerverständigung taugt die Friedenseiche trotz ihres Namens nur bedingt. Sie war am 19. Mai 1871 im Triumph über den militärischen Sieg im Krieg gegen Frankreich gepflanzt worden. Der Feind habe sich „schimpflich für ihn“ unter „das Joch des Friedens“ gebeugt, sagte Vikar Johannes Deinzer bei der Pflanzung.

Zuvor hatten etwa 50 Diakonissen das „namenlose Elend“ dieses Krieges in Front- und Heimatlazaretten erlebt, wie Schwester Sara Hahn berichtet hatte. Sie wirkte gegen Ende des Krieges mit acht weiteren Neuendettelsauer Schwestern in einem Feldspital im Schloss von Versailles und nahm dort 1871 auch an der Proklamation des deutschen Kaisers Wilhelm teil.

Quelle: Diakonie Neuendettelsau

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