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Berufsfachschule für Physiotherapie PGS Medau reist nach Kenia

Was ist geblieben? Ein ausführliche Interview mit Schulleiterin Diana Thümmel

Burgoberbach, 08. Juni 2026 – Dieses Jahr reiste die PGS Medau, Berufsfachschule für Physiotherapie, nach Kenia um sich die medizinische Versorgung vor Ort anzusehen. Wir haben mit Diana Thümmel gesprochen, examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin und Schulleitung der PGS-Medau hier in Burgoberbach.

Was ist anders? Was können wir voneinander lernen? Und was ist geblieben? All das, im folgenden Interview.

Diana Thümmel, Schulleitung PGS Medau Burgoberbach

Fränkischer: Ihr seid mit Burgoberbach, Regensburg und Bayreuth nach Kenia gereist. Was war der konkrete Auslöser, dass das zustande gekommen ist?

Diana: Konkreter Auslöser war, dass wir bereits Prüfungen von Kenianern abnehmen, die den Anpassungslehrgang in Bayreuth absolvieren. Hier haben wir Unterschiede, bei der Prüfungsabnahme, festgestellt. Das war der konkrete Auslöser. Wir wollten das Bildungs- und Gesundheitswesen in Kenia kennenlernen.

Wie ist die Ausbildung aufgebaut innerhalb der Physiotherapie? Wo kommen diese Unterschiede her, dass die einen stärker in der Praxis und die anderen stärker in der Theorie sind?

Fränkischer: Dort sind euch Schwankungen aufgefallen?

Diana: Genau. Da sind Diskrepanzen im theoretischen Wissen und im praktischen Wissen. Die Vorarbeit, die sie leisten, ist die Gleiche.

Wir wollen wissen: woher kommt das? Durch diese Linse haben wir uns das Bildungswesen angeschaut, vor allem im Bereich der Physiotherapie. Wir haben uns ebenfalls den Bereich der Pflege und der Ergotherapie angeschaut und natürlich das Gesundheitswesen im Allgemeinen, wo sind die praktischen Einrichtungen, wie werden sie ausgebildet.

Fränkischer: Ihr wart an der Jomo Kenyatta University, wo die Physiotherapie im Fokus der Ausbildung steht. Wo waren die größten Unterschiede in deren Arbeit. Wo ist im Vergleich zu Deutschland der größte Unterschied?

Diana: Der größte Unterschied ist der Aufbau der Ausbildung. Sie haben ebenfalls eine dreijährige Ausbildung, die schulisch ist, aus welcher sie mit einem Diplom herausgehen. Diese ist ein bisschen praktischer gestaltet, weniger Theorie. Dann gibt es die Möglichkeit, das Ganze über die Universität mit einem Bachelor zu absolvieren. Diese Leute sind fitter im Theorie-Teil, haben bereits praktische Einsätze, aber sind natürlich ein bisschen differenzierter und gehen mehr in die Theorie rein.

Fränkischer: Ihr wart dann in dem Kenia Institute of Special Education, die produzieren Hilfsmittel, habe ich gelesen. Was waren das für Hilfsmittel und hatte dich das irgendwie beeindruckt, was da entsteht für ganz Afrika?

Diana: Also das auf jeden Fall. Wir haben uns eigentlich, nur mit dem Hintergrund dorthin die Einrichtung angeschaut, wie die Physiotherapie, praktisch abläuft.

Dann sind wir noch ein bisschen weitergelaufen. Es gab große Hallen mit ziemlich großen Maschinen und da hat sich herausgestellt, dass sie Hilfsmittel für ganz Kenia herstellen.

Natürlich auch für ihre eigene Physiotherapie, für die Ergotherapie, mit denen sie  therapieren und arbeiten.

Fränkischer: Wie siehst du das mit der Sprache? Also ihr wart ja da in der Sprachschule. Sind die Leute motiviert, zu sagen: “Okay, ich möchte mich in Deutschland weiterbilden und es dann in mein Land mitnehmen”, also ist die Bereitschaft da, zu sagen, ich lerne jetzt Deutsch?

Diana: Die Motivation ist da, weil das natürlich die Voraussetzung ist, dass sie nach Deutschland kommen. Ja, sie werden darauf vorbereitet, in der Schule Deutsch zu lernen. Und auch hier zeigt die Erfahrung, dass relativ viele bereits gut Deutsch reden, um hier zu arbeiten. Sowohl im Praktikum, und um dem Unterricht folgen zu können.

Fränkischer: Gab es eine Situation, die dich irgendwie berührt hat, in dem ganzen? Weil, es gibt ja komplette Unterschiede zum deutschen Gesundheitssystem.

Diana: Ja, das gab es tatsächlich. Wir haben an einem Tag Kliniken und physiotherapeutische Einrichtungen angeschaut.

Ganz kurz, nur zum Hintergrundwissen, in Kenia gibt es sechs Level vom Versorgungssystem. Level 6 ist das Beste, Level 1 ist das Niedrigste: Level 6, kann man sich vorstellen, wie ein Universitätsklinikum. Das ist ein bisschen wie unseres. Die Geräte sind etwas neuer.

Wir hatten uns das Mama Lucy Hospital, das ist ein Krankenhaus, Versorgungslevel 5, angeschaut. Das war emotional und sehr herausfordernd.

Ich habe es auf der einen Seite gesehen, aus Sicht des Gesundheitswesens, auf der anderen Seite als Mama. Es war ein Hospital mit Schwerpunkt Gynäkologie. Ab der Schwangerschaft, bis zur Entbindung sowie Kinder, die stationär liegen, wenn sie krank sind. Man hat sich dann gefragt, was ist Level 4 und 3.

Wir waren im Hochsommer vor Ort, da sind gut 35 Grad. Dort gibt es keine Klimaanlagen, dort kann die Intimsphäre nicht gewahrt werden, es gibt keine Türen, sie haben Vorhänge, es war sehr laut, es war heiß.

Die Mütter waren mit einem oder mehreren Kindern da, wobei nur ein Kind krank war. Sie schlafen dort zu dritt oder zu viert in einem Bett.

Das war tatsächlich sehr herausfordernd. Es ist von der Organisation komplett anders als bei uns.

Es ist ebenfalls von der Technik her komplett anders. Es gibt keine Möglichkeit zum Beispiel ökonomisch zu arbeiten. Dort gibt es keine Betten, die ich hoch und herunterstellen kann. Es ist ein Hospital in Nairobi, die den Zulauf von vier bis fünf Slums aufnehmen, die außen herumliegen.

Sie haben einen Zulauf täglich von ungefähr 2.500 Patienten, die im Durchlauf sind und vorbeikommen: “Hallo, ich habe etwas und mir geht es nicht gut.”, die nicht auf Station aufgenommen werden.

Es war laut, es war überfüllt, es war heiß. Der Hygienestandard ist anderes, wie bei uns. Das war sehr hart, tatsächlich.

Fränkischer: Man kennt es hier, du bist krankenversichert, du gehst zum Arzt und du bist irgendwie safe. Aber dort es ist komplett anders. 

Diana: Genau. Sie hatten eine physiotherapeutische Einrichtung, die mit zum Krankenhaus gehört. Das war ein Container. Dort gab es ebenso keine Intimsphäre. Die Zimmer bestanden aus einem Vorhang.

In Kenia ist es so, man kann mit einem Rezept vom Arzt kommen, man kann aber auch selbstständig kommen. 40 Minuten Physiotherapie mit krankengymnastischem Teil und mit Behandlung am Patienten kosten zwei bis drei Euro. Da ist natürlich was anderes.

Fränkischer: Was ist so das Fazit von der Reise? Was erhofft ihr euch, was ist so der nächste Schritt?

Diana: Also Fazit ist, uns hat es im Verständnis dessen weitergeholfen, warum diese Unterschiede in der Prüfung bestehen. Wir haben die verschiedenen Möglichkeiten der Ausbildung dort kennengelernt. Das war auf jeden Fall sehr gut.

Wir haben Erwartungen geschürt im Sinne von: Wir würden gerne einen Austausch generieren für Schüler und für Lehrer. Dass wir aus Deutschland mit unseren Auszubildenden und unsere Lehrer, für 14 Tage nach Kenia gehen, auch im Sinne von Teach the Teacher. Hier haben wir festgestellt, dass wir sie ein bisschen unterstützen können, wie man Unterricht aufbaut, wie man vielleicht gewisse Dinge auch durchführen kann.

Für die Schüler ist natürlich gut einmal mal zu sehen, wie läuft es in anderen Ländern. Hier wollen wir über das Erasmus Plus Programm gehen, dass das Ganze darüber mit aufgebaut wird.

Das sind jetzt unsere nächsten Schritte. Was wir ebenfalls gesehen haben, sie brauchen Materialien und Geräte. Und in diesem Zusammenhang Kooperationspartner oder Spender zu finden. Wenn wir mal nach Kenia fliegen, dann können wir etwas mitnehmen. Und, dass sie auch zu uns kommen, um zu sehen: „Hey, wie ist es bei uns, wenn ich einen Anpassungslehrgang absolviere? Was erwartet mich hier, wie schaut es denn anders aus?”

Einblicke in die Reise nach Kenia:

Foto: PGS Medau Berufsfachschule für Physiotherapie
Foto: PGS Medau Berufsfachschule für Physiotherapie
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