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Alle wollen sie: Die S-Bahnverlängerung Nürnberg – Dombühl – Crailsheim

2024 könnte die S4 weiterfahren bis Crailsheim

Dombühl, 23.07.2020 – Eine entsprechende Machbarkeitsstudie ist den Politikern aus den Kreistagen Ansbach und Schwäbisch Hall vorgestellt worden. Für den grenzüberschreitenden Schienenpersonennahverkehr im westlichen Mittelfranken wäre es eine deutliche Verbesserung.

Alle sind sich einig, dass die S-Bahn von Nürnberg nach Dombühl bis nach Crailsheim verlängert werden soll. Beide Verkehrsministerien in Bayern und Baden-Württemberg bekennen sich klar zu diesem sinnvollen Verkehrsprojekt und arbeiten daran. Die nächsten Schritte stehen bereits fest. Zunächst muss die Infrastruktur ausgebaut werden. Vor allem die Bahnsteige in Dombühl, Schnelldorf und Crailsheim müssten entsprechend der S-Bahnzüge angepasst und behindertengerecht ausgebaut werden. Das kostet geschätzt zwischen 2,7 und 4,6 Millionen Euro. Hinzu käme auf baden-württembergischer Seite noch die gewünschte Wiedereröffnung des Haltepunktes Ellrichshausen, das bedeutet weitere 2 bis 3,6 Millionen Euro. Dann müsste ein weiteres S-Bahnfahrzeug angeschafft werden, das für die längere Strecke benötigt wird und der Betreiber DB-Regio muss noch ein Angebot abgeben, zu welchen Konditionen sie den verlängerten Verkehr anbieten. Laut Frank Kutzner vom bayerischen Verkehrsministerium ist man bereits an den Themen dran. Seiner „reellen“ Einschätzung nach dürfte dann 2024 die erste S-Bahn bis Crailsheim rollen.

Noch stehen die Signale in Dombühl für die S-Bahn nach Crailsheim auf rot. Foto: Mathias Neigenfind

Insgesamt drei Varianten der Streckenverlängerung hatte ein Planungsbüro untersucht. Eine Variante mit günstigem Anschluss in Nürnberg an den ICE nach Berlin wurde bereits nicht weiterverfolgt. „Zum einen wäre der Eingriff in die bestehenden Verkehre zu groß und zum anderen ist die S-Bahn von Ansbach kein Zubringer für Reisende nach Berlin. Auch die Variante, die bisherige S-Bahn in Dombühl einfach weiterfahren zu lassen, wird nicht favorisiert. Hierbei würde kein Stundentakt mit dem Regionalexpress entstehen. Letztlich ist es am erfolgversprechendsten, wenn die S-Bahn einen elfminütigen Stopp in Ansbach einlegt, um IC-Züge überholen zu lassen. Reisende, die schneller nach Nürnberg wollen, könnten in Ansbach in den IC umsteigen. So entsteht ein 60-Minuten Takt im Wechsel mit dem Regionalexpress. Zudem verbessern sich die Anschlüsse – in Crailsheim Richtung Jagstzell und Dombühl könnte mit der Reaktivierung der Strecke nach Wilburgstetten zu einem Knotenpunkt werden. Hier gebe es für Reisende aus Wilburgstetten und Dinkelsbühl gute Anschlüsse in Richtung Ansbach und Crailsheim von unter 15 Minuten Wartezeit.

Foto: Mathias Neigenfind

Impulse für die Reaktivierung nach Wilburgstetten

Mit der S-Bahnverlängerung bekommt auch die Reaktivierung der Bahnstrecke von Dombühl nach Wilburgstetten einen kräftigen Schub. Denn beide Strecken würden sich gegenseitig ergänzen und zusätzliche Fahrgäste generieren. Die Planer gehen davon aus, dass durch die S-Bahnverlängerung die Zahl der täglichen Fahrgäste um gut 15 Prozent steigt, mit der Reaktivierung der Strecke nach Wilburgstetten würde die Zunahme sogar um fast 30 Prozent steigen. Würde man die Strecke nicht nur bis Wilburgstetten, sondern gleich bis Nördlingen reaktivieren, gäbe es direkte Anschlüsse nach München – eine riesige Verbesserung für diesen ländlich geprägten Raum.

In Gang gekommen ist die ganze Thematik, als vor Jahren eine S-Bahn wegen einer technischen Störung bis nach Crailsheim weiterfahren musste, um dort zu wenden. Der schwäbisch-haller Landrat Gerhard Bauer findet es ein positives Signal, dass die Realisierungskosten relativ überschaubar seien. Den kritischen Worten aus dem baden-württembergischen Verkehrsministerium, dass die Zahl der Fahrgäste im ländlichen Raum überschaubar sei, setzte der Ansbacher Landrat Dr. Jürgen Ludwig entgegen: „Es gibt auch Leben in den Tiefen des ländlichen Raumes. Und die Menschen bei uns fordern die bessere Schienenanbindung.“

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