Anzeige

Anzeige

100 Kilometer waren das Ziel, 40 Kilometer wurden zur Botschaft

Brombachsee, 5. Juni 2026 – 100 Kilometer am Stück laufen. Für viele klingt das nach einer extremen, fast unmöglichen Idee. Für Gabriel Hutzler war es aber genau das: etwas, das außerhalb seiner Komfortzone liegt. Etwas, das ihn herausfordert. Etwas, das ihn zwingt, sich selbst besser kennenzulernen.

Entstanden ist die Idee, nachdem Gabriel von anderen Läufern inspiriert wurde. Unter anderem von Arda Saatci, der 600 Kilometer gelaufen ist, und von David Goggins, der für viele Menschen ein Symbol für mentale Stärke geworden ist. Irgendwann kam bei Gabriel der Gedanke auf: Wenn andere so etwas schaffen, warum sollte ich es nicht wenigstens versuchen?

Auch ein Satz, den er einmal von einem Motivationscoach gehört hatte, blieb bei ihm hängen: Nach einer gewissen Anzahl an Kilometern habe man irgendwann über sein ganzes Leben nachgedacht. Genau dieser Gedanke hat ihn inspiriert. Der Lauf sollte für ihn deshalb nicht nur eine sportliche Herausforderung sein, sondern auch Zeit mit sich selbst.

Nicht nur Kilometer. Nicht nur Sport. Nicht nur eine Zahl. Sondern Gedanken, die im Alltag oft untergehen. Momente ohne Handy, ohne Musik, ohne Ablenkung. Nur er selbst, sein Körper und die Frage, was eigentlich in ihm steckt. Der Lauf sollte für ihn eine Antwort auf Fragen sein, die viele kennen, aber selten wirklich laut aussprechen: Wer bin ich? Was will ich? Wo will ich hin?

Gabriel ist 18 Jahre alt und macht aktuell eine Ausbildung als Werkzeugmechaniker, die er nächstes Jahr abschließen wird. Er sagt selbst, dass er nicht sein ganzes Leben nur arbeiten, aufstehen und wieder zur Arbeit gehen möchte. Er will mehr. Er will herausfinden, wofür er brennt, was ihn antreibt und was alles möglich ist, wenn man überhaupt erst einmal losgeht.

„Ich habe schon Spaß an der Arbeit, aber Arbeit alleine ist nicht mein Ziel“, sagt er. Mit seinem Projekt wollte Gabriel aber nicht nur sich selbst beweisen, dass er mehr kann. Er wollte auch anderen Menschen Mut machen. Mut, Dinge auszuprobieren. Mut, anzufangen, auch wenn man Angst hat. Mut, nicht direkt perfekt sein zu müssen. „Ich habe herausgefunden, dass ich Leuten zeigen möchte, dass man Sachen ausprobieren muss. Und dass es nicht schlimm ist, wenn man es nicht schafft.“

Am Samstag ging Gabriel an den Start. Das Ziel: 100 Kilometer. Doch nach rund 29 Kilometern begann sein Knie richtig weh zu tun. Ab diesem Moment konnte er kaum noch laufen, ging viel, machte Pausen, dehnte sich und versuchte trotzdem weiterzumachen. Am Ende waren es 40 Kilometer. Nicht 100. Aber auch ganz sicher nicht nichts.Denn 40 Kilometer ist Gabriel vorher noch nie gelaufen. Nicht einmal 29. Er sagt selbst, dass er enttäuscht war, weil er es öffentlich angekündigt hatte und es dann nicht so geschafft hat, wie er es sich vorgenommen hatte. Aber gleichzeitig war da auch Stolz. Stolz darauf, es überhaupt angekündigt zu haben. Stolz darauf, gestartet zu sein. Stolz darauf, weitergemacht zu haben, obwohl es schwer wurde.

„Ich war enttäuscht, weil ich es angekündigt habe. Aber ich war auch stolz auf mich, dass ich überhaupt gesagt habe, dass ich das mache.“ Für Gabriel war es kein Scheitern an sich. Es war eher ein Lernmoment. Seine Energie war noch da, sagt er. Er hätte mental weiter gewollt. Es war nicht sein Kopf, der aufgegeben hat, sondern sein Knie, das irgendwann nicht mehr mitgemacht hat. „Daran ist es nicht gescheitert, sondern am Knie.“

Trotzdem nimmt er aus diesem Lauf viel mit. Vor allem die Erkenntnis, dass man auch dann etwas erreicht, wenn das ursprüngliche Ziel nicht komplett aufgeht. Dass man nicht verloren hat, nur weil man nicht bei 100 Prozent angekommen ist. Schon einmal hatte Gabriel sich etwas vorgenommen: einen Halbmarathon in Würzburg. Damals lief es nicht wie geplant. Eine Woche vor dem Termin lief er 16 Kilometer, verletzte sich durch falsche Technik und konnte den Halbmarathon nicht schaffen. Das hat ihn damals demotiviert.

Dieses Mal war es anders. Dieses Mal hat er trainiert. Dieses Mal hat er mehr geschafft. Und dieses Mal weiß er: Es geht weiter. „Nach einem Versuch folgen mehr Versuche. Immer dranbleiben.“ Eine große Rolle spielt dabei auch seine Mama. Gabriel sagt, dass er ihr versprochen hat, sie stolz zu machen. Nicht nur mit diesem Lauf, sondern mit allem, was er tut.

Dieser Gedanke begleitet ihn beim Training, im Fitnessstudio und in Momenten, in denen er eigentlich lieber zuhause bleiben würde. „Ich möchte meiner Mama zeigen, dass sie stolz auf mich sein kann. Ich kann nicht daheim bleiben und zocken, weil ich es ihr versprochen habe.“

Nach dem Lauf und durch das Training merkt Gabriel, dass er sich verändert hat. Er fühlt sich anders als früher, nicht mehr so wie am Tag davor. Er will Menschen inspirieren, ohne sie unter Druck zu setzen oder zum Vergleich zu zwingen. Es geht ihm nicht darum, besser zu sein als andere. Es geht darum, überhaupt anzufangen.

Seine Botschaft an Menschen, die gerade ein Ziel nicht erreicht haben, ist ehrlich und direkt: Natürlich ist das Gefühl da, es nicht geschafft zu haben. Aber man darf sich davon nicht auffressen lassen. Man darf enttäuscht sein. Man darf traurig sein. Aber man sollte nicht vergessen, dass der Versuch zählt.

„Selbst wenn man es nicht schafft, man hat es probiert. Und das ist das, was zählt. “Für Gabriel ist klar: Es wird einen zweiten Versuch geben. Beim nächsten Mal möchte er es ruhiger angehen, seinen Rhythmus besser einteilen und aus den Fehlern lernen. Die ersten drei Kilometer ist er dieses Mal gegangen, dann hat er angefangen zu joggen, weil es sich gut angefühlt hat. Durch verschiedene Techniken konnte er sich anpassen und länger durchhalten. Beim nächsten Versuch will er genau das noch besser machen.

Wenn er seinem Ich am Start eine Sache sagen könnte, wäre es: „Mach langsamer.“

Vielleicht ist genau das die stärkste Botschaft aus diesem Lauf. Nicht alles muss sofort funktionieren. Nicht jedes Ziel wird beim ersten Mal erreicht. Aber jeder Schritt zählt. Auch dann, wenn es am Ende nicht 100 Kilometer sind. Gabriel hat an diesem Samstag nicht verloren. Er ist losgelaufen. Er hat gekämpft. Er hat gelernt. Und er hat gezeigt, dass Mut nicht bedeutet, immer bis zum Ziel zu kommen, sondern überhaupt anzufangen.

Am Ende möchte er sich vor allem bei den Menschen bedanken, die ihn unterstützt haben. Bei allen, die kommentiert, geschrieben und ihn motiviert haben. Auch wenn er enttäuscht war, sagt er, habe ihm genau dieser Rückhalt viel Kraft gegeben.

Sein letztes Wort an alle, die gerade selbst zweifeln: „Bleibt dran. Weitermachen. So nämlich.“